Hast du das auch schon einmal erlebt – in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen oder in deiner Rolle als Führungskraft? Es wird viel gesprochen, geklärt und organisiert. Absprachen stehen, Aufgaben sind verteilt, nach außen wirkt alles geordnet.
Und trotzdem bleibt dieses Gefühl: Irgendetwas passt nicht.
Kein klar benennbares Problem. Eher ein inneres Ziehen, eine Schwere, die man morgens schon mit zur Arbeit nimmt. Gespräche fühlen sich anstrengend an. Entscheidungen kosten Kraft. Man spürt: Es geht hier um mehr als um das, was gerade besprochen wird.
Genau diese Situationen begegnen mir in meiner Arbeit immer wieder.
Aus dem (Führungs-)Alltag:
Vor einiger Zeit saß mir mit genau so einem Gefühl eine Führungskraft gegenüber. Nennen wir ihn Klaus. Ein Teamleiter mit viel Verantwortung, fachlich sicher, engagiert, mit dem ehrlichen Wunsch, für sein Team da zu sein. Nach ein paar Minuten sagte er:
„Ich verstehe es nicht. Ich führe Gespräche, höre zu, versuche Lösungen zu finden – und trotzdem stimmt etwas nicht im Team. Das Projekt läuft nicht so und die Zahlen sind ehrlich gesagt sehr schlecht.“
Im weiteren Gespräch stellte sich raus, dass es sich konkret um Sabine handelte.
Eine Mitarbeiterin, die schon lange im Unternehmen tätig war. Erfahren, routiniert, mit einem feinen Gespür für Abläufe – und jemand, der Veränderungen nicht einfach hinnimmt. In Meetings ist sie seit einigen Monaten mehr und mehr zurückhaltend, äußert später unter Kollegen dann kritische Bedenken. Im Team wird sie daher zunehmend als „schwierig“ wahrgenommen, obwohl sie fachlich zuverlässig arbeitet.
Klaus hatte reagiert, wie man es von einer verantwortungsvollen Führungskraft erwartet: Gespräche geführt, Klarheit gesucht, Unterstützung angeboten. Und doch blieb dieses Gefühl, dass sich die Situation nicht wirklich löste. Eher im Gegenteil – eine leise Spannung war weiter spürbar.
Wenn alle ihr Bestes geben – und es trotzdem nicht leicht wird
Was mich in solchen Situationen immer wieder beschäftigt:
Beide Seiten wollen im Grunde dasselbe.
Orientierung. Sicherheit. Ein gutes Miteinander.
Für Sabine hatte sich vieles verändert. Tempo, Erwartungen, Kommunikation. Was früher selbstverständlich war, fühlte sich heute unsicher an. Sie wusste, dass sich etwas verschoben hatte – konnte es aber kaum in Worte fassen. Und Unsicherheit zeigt sich selten offen. Die Menschen werden eher leise und/oder kritisch.
Klaus wiederum stand unter dem Druck, Verantwortung zu tragen – für Ergebnisse, für Menschen, für die Stimmung im Team. Er wollte fair sein, präsent, lösungsorientiert. Und gleichzeitig merkte er, wie ihn die Situation innerlich mehr beschäftigte, als ihm lieb war.
Bei beiden wirkte etwas, das nie klar ausgesprochen wurde – und doch den Raum füllte.
Führung wirkt nicht nur über Worte
Im Arbeitsalltag richten wir den Blick häufig auf das Sichtbare: Gespräche, Maßnahmen, Prozesse. Doch Menschen reagieren auf mehr als das. Sie reagieren auf Haltung, auf innere Klarheit, auf das Maß an Sicherheit, das Führung ausstrahlt – oft ganz ohne Worte.
Gleichzeitig reagieren Führungskräfte auf Spannungen im Team, auf Rückzug von Mitarbeitenden, auf Widerstand. Nicht immer bewusst, aber spürbar.
Diese Wechselwirkung – diese Resonanz – entscheidet darüber, ob Zusammenarbeit sich verhärtet oder wieder in Bewegung kommt. Nicht aus mangelnder Kompetenz, sondern weil alte Muster auf neue Anforderungen treffen.
Verstehen verändert mehr als jede Maßnahme
In dem Moment, in dem Klaus begann, nicht nur Sabines Verhalten zu betrachten, sondern die Dynamik dahinter, veränderte sich etwas. Zunächst in ihm selbst. Er wurde ruhiger. Klarer. Weniger im inneren Rechtfertigen, mehr im Wahrnehmen.
Das eröffnete einen anderen Gesprächsraum. Einen, in dem es nicht um richtig oder falsch ging, sondern um Verständnis. Und genau hier ist Entwicklung möglich.
Solche Prozesse sind kein „weiches Thema“. Sie sind die Grundlage für gesunde Zusammenarbeit, emotionale Stabilität und nachhaltigen Erfolg – für Mitarbeitende ebenso wie für Führungskräfte.
Warum neue Wege Zeit brauchen
Wenn Unternehmen sich mit neuen Formen von Führungsentwicklung beschäftigen, entsteht auf Entscheidungsebene manchmal Zurückhaltung. Nicht, weil der Nutzen nicht gesehen wird. Sondern weil Bewährtes lange getragen hat.
Klare Systeme, feste Strukturen, klassische Steuerung – all das hat funktioniert. Doch die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Menschen haben sich verändert. Erwartungen, Arbeitsweisen und innere Belastungen sind andere geworden.
Führung weiterzuentwickeln bedeutet nicht, das Alte infrage zu stellen. Es bedeutet, es zu ergänzen – um ein tieferes Verständnis für das, was zwischen Menschen wirkt.
Warum ich diese Arbeit so liebe
Ich erlebe immer wieder, wie groß der Hebel ist, wenn eine Führungskraft beginnt, sich selbst und die Dynamiken im Team bewusster wahrzunehmen. Wie viel sich bewegt, wenn nicht nur Probleme gelöst, sondern Zusammenhänge verstanden werden.
Meine Vision ist ein neues Miteinander in Unternehmen:
klar, menschlich, wirksam.
Ein Arbeitsumfeld, in dem Gesundheit und Erfolg kein Widerspruch sind – sondern sich gegenseitig stärken.
Genau aus dieser Haltung heraus ist auch der IHK-Zertifikatslehrgang „Führungskraft mit Resonanzwirkung“ entstanden. Es freut mich sehr, diesen Lehrgang gemeinsam mit der IHK Akademie Mittelfranken gestalten und durchführen zu dürfen.
Hier fließt all das zusammen, was moderne Führung heute braucht: innere Klarheit, Verständnis für Dynamiken im Team und die Fähigkeit, Veränderung bewusst zu gestalten.
Weitere Informationen zum Lehrgang findest du hier:
https://www.ihk-akademie-mittelfranken.de/weiterbildungen/details/fuehrungskraft-mit-resonanzwirkung-ihk-2175